Freitag, Juli 15, 2005

Kluntje, Milch und Pinsel

Die Ostfriesen haben sie, die Engl�nder und vor allem die Japaner - eine ausgepr�gte Teekultur. In Ostfriesland In Deutschland gibt es nur eine Region, in der das Teetrinken seit mehr als 300 Jahren als unverzichtbarer Bestandteil des Tagesprogramms zu einem Ritual geworden ist: Bis zu f�nfmal t�glich genehmigt sich ein echter Ostfriese seine drei "Koppkes" - zum Fr�hst�ck, zum "Elf-�hrtje", nach dem Mittagessen, zur Teezeit zwischen drei und f�nf und als Einleitung des Feierabends. Als "Grundnahrungsmittel" gilt der Ostfriesentee - eine Mischung von �berwiegend nordostindischen Assam-Tees. In die Tasse kommt zun�chst ein dickes St�ck Kandis - Kluntje genannt - dann wird der Tee eingeschenkt und ein wenig "Rohm" (ungeschlagene Sahne) beigegeben - Umr�hren ist verp�nt. So genie�t der Ostfriesentee-Trinker als erstes den Tee mit dem "Wulkje" (Sahnew�lkchen), dann den herben Teegeschmack und schlie�lich den ges��ten Tee vom Boden der Tasse. Ostfriesische Teezeremonien bietet zum Beispiel das ? Ostfriesische Teemuseum, Am Markt 36 in 26506 Norden/Ostfriesland an. England: Five o'clock tea "Any time is teatime" sagen die Engl�nder und nichts geht ihnen �ber den traditionellen Five o'clock tea. Dabei war die Kolonialware aus China im 18. Jahrhundert noch derart teuer, dass sie nur in adligen Kreisen getrunken wurde. Erst als die satte Teesteuer gesenkt wurde, konnte sich der Teekonsum in allen Schichten ausbreiten. Trotzdem - der traditionelle F�nf-Uhr-Tee geht angeblich auf eine Erfindung der Lady Bedford zur�ck, um die lange Zeit zwischen Lunch und Dinner zu �berbr�cken und bald avancierte der "Afternoon Tea" zu einem gesellschaftlichen Ereignis, zu dem in der Oberschicht elegante Kleidung, kostbares Teegeschirr und ausgew�hlte Speisen wie Geb�ck und Kuchen geh�rten. F�r die Teestunde auf feine englische Art wird der Tee stark zubereitet und mit frischer Milch serviert - nach dem "m.i.f." (milk in first)-Prinzip. Dann wird der aufgebr�hte Tee zugegossen und je nach Bedarf ges��t. Japanische Teezeremonie Buddhistische M�nchen sind es gewesen, die den Tee bereits im 8. Jahrhundert vor Christus aus China nach Japan gebracht haben. Die M�nche tranken ihn in den Kl�stern, um bei der Meditation wach zu bleiben, sp�ter wurde er in Teeh�usern serviert, in denen sich die Samurai zu luxuri�sen Tee-Zusammenk�nften trafen. Die Teezeremonie (japanisch: chanoyu oder sado) ist ein aus dem Zen-Buddhismus entstandenes Ritual, es soll der Besinnung auf Reinheit und Harmonie dienen. Der gr�ne Tee wird dabei nach genau festgelegten Regeln von einem Teemeister oder einer Teelehrerin zubereitet. Dazu werden spezielles Zubeh�r und ein gr�ner Pulvertee (Matcha), verwendet, der mit einem Teebesen in der Trinkschale dickfl�ssig geschlagen wird. Jeder Handgriff der Teezeremonie ist genau vorgegeben - das Ritual ist eine feierliche Angelegenheit und der ganze Vorgang dreht sich nicht um das Schl�rfen von Tee, sondern um �sthetik. Infos und Veranstaltungen: ? Schule f�r japanische Teezeremonie in Hannover, Jana und Dr. Dietrich Roloff, 30177 Hannover, Dahnstr. 13. Im Teehaus Shoseian im ? Museum f�r Kunst und Gewerbe Hamburg wird in der Regel an jedem dritten Wochenende im Monat der Ablauf einer japanischen Teezeremonie vorgef�hrt.