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Fire Alarm Jan Fischer Hallo Leisch! Es ist Montagmorgen, und ich habe mir eigentlich nach der Installation einer EPS (Enhanced Pizza Enviroment = Food Microwave Generator) in meinem Zimmer eine Tasse schwarzen Tee verdient und geniesse diese gerade, als jemand an meine Tuer klopft und, ohne auf die Gnade eines "Herein" von mir zu warten, ein Herr in Anzug und Krawatte eintritt - das ist keiner aus den neuen Provinzen schiesst es mir durch den Kopf - und zu mir sagt: "Gruess Gott!" Ich antworte natuerlich als wohlerzogener und hilfsbereiter Mensch sofort mit: "Das will ich gern tun, wenn ich ihn treffe. Kann ich sonst noch etwas fuer sie tun?" Der Herr sieht mich an als kaeme ich direkt aus der Hoelle. Nun ja, er hat es nicht ganz getroffen, aber der Hades liegt schliesslich gleich neben der Hoelle, wo ich auch gelegentlich schon zu Besuch war. Uebrigends ist Gott noch nie dort gesehen worden, weder im Hades noch in der Hoelle. Der Herr macht die Tuer schnell zu und entfernt sich eiligen Schrittes, fast als ob der Teufel persoenlich hinter ihm her waere. Ob er wohl in meinem Zimmer eine gewisse Praesens gespuert hat? Ich nehme gerade wieder einen genussvollen Schluck aus meiner Teetasse, als ein lautes Heulen mir verkuendet, dass wir gerade wieder einmal Geselliges Beisammensein spielen. Da dieses Spiel wahrscheinlich nicht an allen deutschen Universitaeten bekannt ist, werde ich es kurz erlaeutern. Es beginnt damit, das ein Mitglied eines Bauarbeitertrupps oder einer Handwerkerbrigade (von beiden Sorten bevoelkern hinreichend viele diese Universitaet) sich an seinen Meister wendet und sagt: "Meister, ich habe hier versehentlich ein paar Kabel mit erwischt. Ist das schlimm?" Die Antwort gibt ihm in der Regel dann nicht der Meister sondern die Sirene, indem sie sagt: "Huuiii ... !" Nun gibt es drei Arten von Mitarbeitern an dieser Universitaet: * Die Retter in der Not glauben dass wirklich etwas passiert sein koennte und Sie endlich einmal Ihre Faehigkeiten unter Beweis stellen koennen. Sie beginnen sofort einen Sprint zur Universitaetsfeuerwehr und hoffen, dort der Erste zu sein. Anschliessend sitzen Sie gemeinsam mit Ihren Kollegen im Wagen und hoffen auf einen Einsatzbefehl, der aber meines Wissens noch nie gekommen ist. * Die Geselligen gehen unabhaengig von Sonnenschein, Regen, Sturm, Hagel oder sonstigen Widerwaertigkeiten des Wetters zum Stellplatz um dort die anderen Kollegen zu treffen, besonders die, welche man sonst eher selten sieht. Man macht einen kleinen Plausch und pflegt die Konversation. * Die Unerschrokenen, zu welchen auch ich gehoere. Sie wissen, dass an unserer Universitaet kein Feuer es wagen wuerde auszubrechen und sich gegen uns zu stellen. Zu den Unerschrockenen gehoert auch unsere Frau Tipp, was mich leider daran hindert, im Sekretariat und im Zimmer unseres Professors endlich einmal einiges zu richten. Nun Ihr versteht schon, was ich meine. Als Elektrotechniker und Systemadministrator weiss ich natuerlich, dass bei einem Brand die Elektroenergiezufuhr ausfallen kann. Da ich dem Lehrstuhl natuerlich Kosten sparen will, gilt es die Akkus der USV's zu schonen und so veranlasse ich das geordnete Herunterfahren unserer Maschinen. Nachdem ich den Serverraum gegen das Betreten Unbefugter abgesichert habe, trinke ich noch den letzten Schluck Tee und verlasse das Gebaeude, welches inzwischen wie ausgestorben wirkt. Auf dem Weg nach draussen muss ich an einem oeffentlichen Kopierer vorbei. Da faellt mir ein, dass mir doch gestern eine von diesen kleinen Glasrohrsicherungen durchgebrannt ist. Dummerweise kann man die Sicherung des Kopierers nicht entfernen, ohne den Sicherheitsschluessel fuer die Fronttuer zu besitzen. Schade. Aber oben ist an dem Kopierer zusaetzlich eine kleine Magnetkartenleseeinheit angebracht worden. Diese kleinen Magnetkarten aus Pappe kann man bei uns in der Bibliothek kaufen, wo sie voll sind. Am Kopierer wird man dann das Kapital auf der Chipkarte wieder los. Natuerlich habe ich mir auch eine solche Chipkarte besorgt und sofort in meinem Magnetkartenlesegeraet der Firma ROBOTRON eingelesen und die Daten auf meiner Festplatte abgelegt. Nun kann ich meine Karte jederzeit wieder in den orginalen Zustand bringen. Im Gegensatz zu der Sicherung des Kopierers selbst kommt man an die Sicherung des daran angebrachten Kartenlesegeraetes sehr wohl heran. Ich entnehme die Sicherung also. Schliesslich muss ich im Interesse meines Professors sparen, wo es nur geht. Zur Vorsicht nehme ich auch noch die Sicherung des Magnetkartenlesegeraetes an dem zweiten Kopierer, an welchem ich vorbei muss, mit. Schliesslich kann man nie wissen, wann man wieder einmal eine benoetigt. Als ich das Haus verlasse, heulen die Sirenen immer noch. Sollen Sie. Ich fahre also zunaechst einmal in die Innenstadt, um eine Marktanalyse durchzufuehren. Wie ich den Computerladen betrete, sehe ich an der Kasse eine huebsche Kassiererin, deren letzter Urlaub allerdings schon eine Weile her sein muss. Ihre Gesichtsfarbe erscheint mir etwas un- gesund. Wahrscheinlich hat Sie eine viel zu kurze Fruehstuecks- und Mittagspause und muss den ganzen Tag hier drin in diesem Laden sitzen, wo Sie natuerlich keinen Strahl Sonne abbekommen kann. Ich schlendere also durch den Laden betrachte dies und jenes und hoere ploetzlich eine ekelgarstig syntetisierte Stimme sagen: "Microsoft Sidewinder ..." Wo kam das her? Ich gehe der Sache nach und entdecke neben den anderen Joysticks ihn, den Microsoft Sidewinder. Ich bleibe eine Weile stehen und da ist es wieder. Der Joystick bewegt sich von selbst und dazu kommen wieder die Toene aus dem Lautsprecher: "Microsoft Sidewinder ..." Darueber muss ich mich sofort informieren. Und wie es der Zufall will laeuft mir auch sofort ein Verkaeufer in die Arme. Er spricht mich an und fragt mich mit seinem besten Verkaeufergrinsen: "Kann ich Ihnen helfen?" Er muss gesehen haben, wie erstaunt und beeindruckt ich bin. Was ich aber nicht ausstehen kann, das ist von Verkaeufen angequatscht zu werden. Wenn ich sie benoetige, so tue ich Ihnen dies schon kund. Na warte. "Wie bitte?" schreie ich und neige mein Ohr in seine Richtung. Er etwas lauter: "Ob ich Ihnen helfen kann." Das reicht noch nicht "Ob ich Ihnen helfen kann? Nein, aber Sie koennen mir helfen. Ich bin leider etwas schwehrhoerig und die Batterien von meinem Hoergeraet haben leider gerade schlapp gemacht, muessen sie wissen." Er schaut mich mitleidig und verstaendnisvoll an. "Wissen Sie, ich habe da noch ein paar Fragen, zu diesem Joystick, dem Microsoft Sidewinder. Ich komme von der Universitaet und da arbeiten wir gerade an einem Projekt in welchem es um Spacecontrol with feedback unter besonderer Beruecksichtigung amplitudemodulated Gasmolekule geht." Er schaut mich erfurchtsvoll an. "Da koennten wir schon ein paar von diesen Steuerknueppeln gebrauchen, aber wie gesagt ich benoetige vorher noch einige Informationen." "Aber sicher, das verstehe ich vollkommen." "Der Steuerknueppel kann sich also selbst bewegen." "Ja, das ist um dem Spieler das Gefuehl zu geben er sitze wirklich in einem Flugzeug, zum Beispiel." "Und dann spuert er sozusagen die Vibrationen des Flugzeuges, die sich auf den Steuerknueppel uebertragen." "Ja genau." "Es handelt sich also um eine mechanisch Rueckkopplung." "Genau so ist das." "Und diese Rueckkopplung wird durch den Computer gesteuert." "Richtig." "Und die Programmierschnittstelle ist offengelegt." "Ja natuerlich ist die offengelegt." "Und finde ich diese Programmierschnittstelle auch im WWW?" "Ja, die Web-Page steht mit im Handbuch." Wir unterhalten uns in unverminderter Lautstaerke und sind deutlich im gesammten Laden zu hoeren. "Dann ist es also moeglich, auch eigene Applikationen zu entwickeln?" "Aber selbstverstaendlich." Der Verkaeufer hat nun kapiert, dass er mir um das Produkt zu ver- kaufen mir nur wortreich beipflichten muss. Da sich zur Zeit keine anderen Kunden in unserer Naehe befinden, frage ich Ihn in normaler Lautstaerke: "Dann kann man also mit dem Micosoft Sidewinder auch Applikationen fuer Frauen entwickeln?" Und er antwortet in unverminderter Lautstaerke: "Natuerlich kann man mit dem Microsoft Sidewinder auch Applikationen fuer Frauen entwickeln." "Sehr schon," sage ich zu Ihm, "da wird sich Frau Professor Dr. Goeser aber freuen. Vielen Dank auch fuer Ihre freundliche Beratung." Als ich danach den Computerladen verlasse, sieht die Dame an der Kasse schon nicht mehr so bleich aus, sondern hat nun ein frisches Rot auf den Wangen. Auf den Ohren im uebrigen auch. Als ich wieder in die Universitaet komme, ist der falsche Alarm schon eine Weile beendet. Ein Herr fragt mich nach dem Zimmer von einem Dr. Lebarei. Ich antworte ihm wahrheitsgemaess, dass ich dies auch nicht so genau wuesste, aber ich sei sicher, er habe sein Zimmer im 5. Stock. Auch warne ich ihn vor dem ersten Fahrstuhl, an welchen er kommt, denn bei diesem haengen wohl ein paar Relais und so komme es vor, dass er schon in einem anderen Stockwerk ankomme, nur nicht in dem, in dem er ankommen wollte. Er bedankt sich freundlich und nimmt den zweiten Fahrstuhl. Haette der Herr sich den ersten Fahrstuhl auch nur kurz angschaut, so waere ihm klar geworden, dass in diesem wohl nur noch sehr wenige Relais im Einsatz sind. Bei dem zweiten Fahrstuhl ist das genau umgekehrt. Bestimmt wird der Herr in irgendeinem Stockwerk den Herrn Dr. Lebarei suchen, bis ihm klar wird, dass er sich im falschen Stockwerk befindet und wohl meinen Angaben nicht haette blind folgen sollen. Vor meinem Zimmer wartet schon eine ganze Menge von Nutzern. Einer wagt es mich zu fragen: "Wo sind Sie eigentlich gewesen? Und ueber- haupt, was treiben Sie sich eigentlich in der Gegend herum, wenn die Rechner nicht laufen?" "Die Rechner werden neuerdings bei Feueralarm zur Sicherheit auto- matisch heruntergefahren. Ich werde die Gelegenheit jedoch gleich nutzen, um die Permanetmagneten der Antriebsmotoren unserer Fest- platten neu aufzumagnetisieren. Ich denke morgen mittag wird dann alles wieder laufen. Sind Sie eigentlich nur wegen dieser Lappalie zu mir gekommen?" Es daemmert ihm, dass dies besser nicht so waere und er sagt, dass er ausserdem noch Geld auf sein Druckkonto einzahlen wollte. Ich bin also gnaedig, nehme sein Geld entgegen und stelle ihm auch eine Quittung darueber aus. Allerdings wird er dafuer in /etc/color.print aufgenommen. Er darf sich geehrt fuehlen, denn bisher habe ich noch keinen Nutzer in dieser Datei aufgenommen, da ich mit den ent- sprechenden Modifikationen an den Druckerfiltern erst gestern fertig geworden bin. Fuer Nutzer in /etc/color.print ist es vollkommen egal, an welchen Drucker sie ihre Druckauftraege senden, alle Auftraege werden an unseren Colorlaserprinter umgeleitet. Die Auslastung dieses Druckers ist wegen des von mir festgelegten Preises von 1,50 DM pro Seite etwas schlecht. Aber ich denke, in Zukunft wird die Auslastung auf dem Colorlaserprinter deutlich besser werden. Anschliessend muss ich noch einen Abschlussbericht zum Projekt Kriemhild (das ist der Deckname fuer Automatische Gravitationsreaktion) schreiben. Dank meines unermuedlichen Einsatzes fuer die Menschheit ist uns eine bahn- brechende Entwicklung gelungen. Alle von uns neu entwickelten Geraete und Anlagen werden in Zukunft mit der bei uns entwickelten automatischen Gravitationsfunktion ausgestattet. Sie sorgt einmal fuer die Standfestig- keit des Geraetes, als auch fuer das schnelle Wiederauffinden eines Geraetes, falls es einmal herunterfallen sollte. Dadurch, dass das Geraet auf Grund der automatischen Gravitationsfunktion nur nach unten fallen kann, weiss man ganz genau, wo man suchen muss. Als Ergaenzung statten wir unsere Geraete mit den bei uns entwickelten Gravitationsmodulen aus, die unten am Geraet ange- bracht fuer einen sicheren Stand sorgen. Durch mathematische Berechnungen sind wir in der Lage, schon bei nur drei Gravitaionsmodulen einen absolut sicheren Stand zu gewaehrleisten. Natuerlich wird keines unserer Geraete mit nur drei Gravitaionsmodulen ausgeliefert, da ja ein jeder weiss, dass der Anwender sein Geraet konfiguriern moechte, denn ein Geraet welche nicht konfiguriert werden muss oder kann, kann ja wohl nichts taugen, da es ja ganz offensichtlich nicht dem Stand der Technik entspricht. Mit hoellischen Gruessen Bastard Administrator des Hades copyright C by Jan Fischer 1998

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